Vor einigen Wochen durften wir bereits Dritan Angoni vorstellen. Er singt im Herbst den Tenorpart aus Gustav Mahlers monumentalem Lied von der Erde. Nun ist es an der Zeit, unsere Altistin zu präsentieren.
Marion Eckstein, die ihr Gesangsstudium in den Klassen von Professor Julia Hamari und Professor Dunja Vejzovic mit Auszeichnung abschloss, machte sich als Konzertsängerin rasch einen Namen auf den großen europäischen Musikpodien und Festspielen in Berlin, Hamburg, Wien, Amsterdam, München, Stuttgart und Zürich. Renommierte Dirigenten wie Christian Arming, Ivor Bolton, Rafael Frühbeck de Burgos, Helmuth Rilling und Jukka-Pekka Saraste versicherterten sich ihrer Ausdruckstiefe und stilistischen Vielseitigkeit – so feierte sie große Erfolge mit Johannes Brahms‘ Alt-Rhapsodie in der Münchner Philharmonie sowie den Kindertotenliedern von Gustav Mahler im Berliner Konzerthaus.
Regelmäßig wirkt die gefragte Altistin bei Uraufführungen zeitgenössischer Musik mit. Partner sind dabei beispielsweise das European Chamber Orchestra, das Freiburger Barockorchester, Concerto Köln, die Orchester des Gewandhauses und der Züricher Tonhalle, sowie die Rundfunkorchester des WDR und SR. Wir haben sie gefragt, was die Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Philharmonie für sie auszeichnet.
Die Süddeutsche Philharmonie gilt als ein semiprofessionelles Orchester, bei dem man das „semi“ wohl getrost streichen könnte, bei dem aber eine enorme Begeisterung für die Musik hinzu kommt, die manchem Profiorchester im Laufe der Jahre durch Routine ein Stück weit abhanden kommen mag.
Mit diesem Ensemble aus Enthusiasten Gustav Mahlers „Lied von der Erde“ musizieren zu dürfen und zudem unter der Leitung von Hannes Reich, den ich seit vielen Jahren kenne und schätze, ist ein großes Geschenk!
Was möchtest Du dem Publikum an diesem Abend mit auf den Weg geben und gibt es etwas, worauf das Publikum beim Hören besonders achten könnte?
Der Schlüssel zu diesem eventuell nicht auf Anhieb leicht zugänglichen Werk dürfte die Beschäftigung mit der Textgrundlage und Mahlers Lebensumstände während der Komposition sein.
Für das Verständnis dieses Werkes ist es hilfreich zu wissen, dass Mahler das Lied von der Erde in einer Zeit privater Schicksalsschläge komponierte. Seine ältere Tochter Maria Anna war im Alter von vier Jahren an Diphtherie gestorben und Mahler musste nach einer antisemitisch motivierten Pressekampagne als Direktor der Wiener Hofoper zurücktreten. Im gleichen Jahr wurde eine schwere Herzkrankheit diagnostiziert, die wenige Jahre später zu seinem Tod führte.
Als er das Lied von der Erde 1908 in Toblach schrieb, beschäftigte er sich mit Hans Bethges Sammlung „Die Chinesische Flöte“, Nachdichtungen altchinesischer Lyrik, aus der er eine Auswahl vertonte.
Ich möchte empfehlen, die Textvorlage aufmerksam zu lesen, um dann mit größtmöglicher Offenheit die Musik und insbesondere den „Abschied“, der epische Ausmaße und existenzialistische Tiefe besitzt, auf sich wirken zu lassen.
Mahler verbindet in diesem Werk Abschied, Natur und existenzielle Fragen. Wie näherst Du Dich diesen Themen als Interpretin?
Mit den Themen Leben und Tod, Mensch und Natur beschäftigen sich seit jeher Philosophen und Religionen und eben auch die Kunst.
Seit meiner ersten Begegnung mit Gustav Mahlers Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ – für mich persönlich das Juwel unter seinen Liedern – empfinde ich, dass Gustav Mahler sozusagen den Himmel öffnet, die Grenze zwischen Diesseits und Jenseits überwindet und das Transzendente in der Musik zum Klingen bringt.
Tod und Abschiednehmen haben mich im vergangenen Jahr auch in meinem persönlichen Umfeld sehr unmittelbar begleitet. Im Lied von der Erde schwingen sehr viele Aspekte von Trauer, Lebenszuversicht und dem „Ewigen“ mit …
Es ist ein großes Geschenk, diese wunderbare Musik gerade jetzt mit der Süddeutschen Philharmonie aufführen zu dürfen!
Seit dem Wintersemester 2019/20 ist Marion Eckstein Professorin für Gesang an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.
Wir wollten wissen, was sie ihren Studierenden in Bezug auf Mahler oder Liedgesang besonders mitgibt.

Bereits während meines eigenen Studiums habe ich mich sehr intensiv mit Gustav Mahlers Musik, seinen Liedern und Sinfonien beschäftigt; zunächst mit den frühen Liedern, den Liedern aus des Knaben Wunderhorn und schliesslich in einem von uns allen sehr mutigen studentischen Projekt mit den Kindertotenliedern und dem Lied von der Erde.
Ich möchte sagen, seine Musik ist für mich Herzensmusik und da sie mir so am Herzen liegt, möchte ich sie auch den Studierenden näher bringen. Im vergangenen Semester habe ich gemeinsam mit einer Kollegin das Projekt „Talking Mahler“ aufgelegt, bei dem die Studierenden je nach Entwicklungsstand frühe Lieder mit Klavier und schließlich die Lieder eines fahrenden Gesellen und die großartigen Rückert-Lieder mit Kammerorchester gesungen haben.
Gustav Mahlers Lieder sind von einer Tiefe und Komplexität, die uns lebenslang beschäftigen und immer wieder mit neuen Facetten und Aspekten überraschen und überwältigen. In der Vorbereitung dieses besonderen Konzertes, einer echten Herkulesaufgabe für uns alle, gab es mit den Studierenden tief berührende Momente und alle sind stimmlich und musikalisch weit über sich hinaus gewachsen – für einen Lehrer der größte Erfolg überhaupt!
Auch das ist Gustav Mahler – ein musikalischer Gigant, der jegliche Begrenzung zwischen Mensch und Natur, Werden und Vergehen, sängerischer Begrenzung und musikalischer Sternstunde zur Auflösung bringt…
Wir sind sehr glücklich, sie im Herbst mit uns auf der Bühne haben zu dürfen!
Wir sehen uns im Konzert!
Neben Gustav Mahlers Lied von der Erde steht Richard Strauss’ thematisch anschließende Tondichtung Tod und Verklärung auf dem Programm.
