Gustav Mahlers Lied von der Erde, das er selbst als Eine Symphonie für eine Tenor- und eine Altstimme und Orchester bezeichnete, gehört zu den herausragendsten Werken seiner Art. Seien es seine inhaltliche Tiefe, die Feinheit der musikalischen Umsetzung, die Spannung zwischen emotionalen Ausbrüchen und tiefer Innigkeit. Wir sind überglücklich, unseren Tenor Dritan Angoni vorstellen zu dürfen, der sich mit uns auf die Reise begibt, dieses Meisterwerk zum klingen zu bringen.
Dritan Angoni begann seinen musikalischen Weg in Tirana, wo er eine langjährige Grundausbildung sowie ein Bachelor-Studium im Fach Gesang absolvierte. Im Jahr 2017 kam er nach Deutschland, um seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart zu vertiefen. Dort schloss der albanisch-deutsche Tenor sein Masterstudium im Fach Operngesang erfolgreich ab.
Eine prägende künstlerische Verbindung entstand in dieser Zeit mit seiner Professorin Marion Eckstein, die seine musikalische Entwicklung maßgeblich begleitete und diesen Herbst mit ihm gemeinsam mit uns auf der Bühne stehen wird. Wir haben ihn gefragt, wie sehr diese gemeinsame künstlerische Verbindung die musikalische Arbeit in diesem Projekt prägt.
Im wahrsten Sinne des Wortes ist es eine große Ehre und Aufregung für mich, mit meiner Lehrerin aus dem Masterstudium auf der Bühne stehen zu dürfen. Dieses Projekt hat für mich automatisch sehr viel Gewicht und ist einmalig.
Was fasziniert Dich persönlich an Mahlers Lied von der Erde?
Zuallererst die anspruchsvolle Gesangspartie. Die Musik verlangt eine enorme emotionale Bandbreite und große Ausdauer, da sie oft wie eine Sinfonie für die Stimme geschrieben ist. Zweitens merkt man beim Singen diese ‚alte Seele‘ der chinesischen Gedichte, die Mahler so tief berührt und inspiriert haben. Seine Musik entführt uns in eine ganz andere, wunderschöne Welt. Ich hoffe sehr, dass wir diese tiefen Gefühle zu unserem Publikum transportieren können
Im Lied von der Erde vertont Mahler Nachdichtungen chinesischer Lyrik – wie beeinflusst dieser poetische Hintergrund Deine Herangehensweise an den Text?
Mahler hat diese Stimmung perfekt in Musik übersetzt. Für mich bedeutet das, dass ich nicht nur Worte singe, sondern mit meiner Stimme Farben und Landschaften male. Der Text führt mich direkt zu den richtigen Emotionen.

Seit der Spielzeit 2021/22 ist Dritan Angoni festes Ensemblemitglied des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters. Auf der Opernbühne ist er in einer Vielzahl tragender Rollen des lyrischen Fachs zu erleben.
Zu seinem vielseitigen Repertoire gehören große Partien wie Rodolfo in Puccinis La Bohème, Tamino in Mozarts Zauberflöte sowie Alfredo in Verdis La Traviata.
Wir wollten wissen, wie es für ihn ist, sich in die Figuren aus dem Lied von der Erde hineinzuversetzen. Seine letzte Partie des Abends, »Der Trunkene im Frühling«, bietet viel Raum für tiefgreifende Interpretationen. Neben oberflächlichem Humor zeigt sie vor allem eine gewisse Weltflucht.
Für mich ist diese Figur keine lustige Karikatur, sondern ein zutiefst trauriger Mensch. Er flieht in den Alkohol, weil er die Realität und den Schmerz der Welt nicht ertragen kann. Beim Singen versuche ich, diese Mischung aus Humor und Verzweiflung zu zeigen. Der Rausch wirkt nach außen fröhlich und schwungvoll, aber darunter liegt eine große Einsamkeit. Es ist der Versuch, das Schicksal einfach wegzulachen.
Wir freuen uns sehr, dass wir ihn für unser Herbstprojekt gewinnen konnten!
Wir sehen uns im Konzert!
Neben Gustav Mahlers Lied von der Erde steht Richard Strauss’ thematisch anschließende Tondichtung Tod und Verklärung auf dem Programm.
