Wenn nur ein Traum das Leben ist …
Endlich geht es los: die Meldephase für unser grandioses Herbstprojekt startet
Meldet euch bis zum 29.03. an und seid dabei, wenn wir an drei Septemberwochenenden tief in zwei Meisterwerke eintauchen, die sprichwörtlich die ganze Welt, das ganze Leben umfassen – und darüber hinaus!
Richard Strauss: Tod und Verklärung. Tondichtung für großes Orchester Op. 24
Gustav Mahler: Das Lied von der Erde. Eine Symphonie für eine Tenor- und eine Altstimme und Orchester (1908)
Besetzung: 4 3 4 3 – 4 3 3 1 – Pk+3 – 2 Hrf – Cel – Mandoline – Str
Mir war eine schöne Zeit beschieden und ich glaube, dass es wohl das Persönlichste ist, was ich bisher gemacht habe.
– so resümiert Gustav Mahler im September 1908 in einem Brief an seinen Freund, den Dirigenten Bruno Walter, die Fertigstellung eines neuen Werkes. Ganz im Widerspruch zu den Schicksalsschlägen, die Mahler nur ein Jahr vorher ereilten. In kurzer Folge verlor Mahler nicht nur seine Stelle an der Wiener Hofoper (nach einer antisemitisch motivierten Kampagne gegen ihn), sondern auch seine ältere Tochter Maria Anna, die nach kurzer Krankheit verstarb. Ihm selbst wurde bald darauf eine unheilbare Herzkrankheit diagnostiziert. Ein Jahr später entschied er sich, „Die chinesische Flöte“ zu vertonen, ein Gedichtzyklus, der um die Vergänglichkeit des Menschen angesichts der immerwährenden Natur kreist. Chinesisch sind daran allenfalls noch die bedienten Topoi, wurden die zugrundeliegenden Gedichte bis zu ihrer deutschsprachigen Veröffentlichung schon zahlreich übersetzt und dabei reichlich mit europäischen ästhetischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts verwoben. So scheint auch die bei Mahler allgegenwärtige Pentatonik nur eine Kulisse zu sein, hinter der sich Räume für tiefere, ganz persönliche Empfindungen auftun. Dabei griff der Komponist auch in die Textvorlage ein. Die eindrücklichen Schlussverse „Still ist mein Herz und harret seiner Stunde“, zu denen das Werk zart verklingt, sind Mahlers eigene Worte, wie auch der Ausruf „O Schönheit, o ewigen Liebens, Lebens trunk’ne Welt!“
Das Lied von der Erde markiert den Beginn von Mahlers später Schaffensphase, in welcher das gewaltige Orchester nur noch selten im Tutti zusammenkommt. Intime Momente von Kammermusik, zart nuancierte Farben und eine Bevorzugung der leisen Dynamiken kommen hier zum Tragen. Nirgendwo sonst geht Mahler so sehr an die Grenzen von Harmonik und Rhythmik wie im Lied von der Erde und blickt damit schon weit in die Moderne. Erst zwei Jahre nach der Fertigstellung teilte Mahler diesem Werk, das eigentlich seine 9. Sinfonie werden sollte, seinen endgültigen Namen zu. Die Uraufführung am 20. November 1911 unter Bruno Walter konnte Mahler selbst nicht mehr erleben. Er starb am 18. Mai desselben Jahres.
Tod und Verklärung darf man dagegen beinahe noch als Jugendwerk ansehen. Der zur Uraufführung gerade einmal 25 Jahre alte Richard Strauss findet in diesem Werk seine ganz eigene, unverwechselbare Tonsprache – und prägt gleichzeitig eine neue musikalische Gattung: Tondichtungen werden für die nächsten Jahrzehnte sein sinfonisches Schaffen bestimmen.
Noch auf seinem Sterbebett soll Strauss gesagt haben, das Sterben fühle sich genau so an, wie er es 62 Jahre zuvor in diesem Werk komponiert hatte. Tatsächlich ist das Werk szenisch aufgebaut. Man hört den unruhigen Herzschlag eines Kranken auf seinem Lager, wird mitgenommen, wie er sich die schönen Erinnerungen aus Jugendzeiten zurück erkämpft – und doch stirbt. Aber da beginnt sich erst der Zauber von Strauss‘ Musik ganz zu entfalten. Nicht als Schrecken, sondern größte Wärme und Zuversicht ausströmend vermittelt uns Strauss seine Vorstellung des Sterbens. Die Verklärung als das erfüllende Ende einer Reise, auf der sich der Mensch zeit seines Lebens befindet. Der Gedanke daran ließ Strauss nicht mehr los. Die Vier letzten Lieder beschließt er durch ein Zitat aus Tod und Verklärung, zu den Worten Eichendorffs:
Wie sind wir wandermüde – ist dies etwa der Tod?
Auf diese Reise führen uns im Herbst unser Dirigent Hannes Reich sowie unsere Konzertmeisterin Katharina Fasoli (Stuttgarter Kammerorchester). Dabei geben wir auf unserem gemeinsamen Probenwochenende in der Musikakademie Schloss Weikersheim der Stimmung keine Gelegenheit, melancholisch zu werden. Es winken unvergessliche Erlebnisse!